Rückblick 2017

Backstein Artikel

(Ausgabe 33, Veröffentlichung voraussichtlich im Januar 2018)

 

Wunschwiese und Wohnzimmer 

 

Die „Dulsbox“ als Experimentierfeld des Stadtteilfestivals Dulsberger HerbstLESE

In diesem Jahr war das interkulturelle und literarische Stadtteilfestival Dulsberger HerbstLESE doppelt so groß wie sonst. Denn neben den 30 Events an verschiedenen Orten im Stadtteil, stellte das Stadtteilbüro einen begehbaren Container auf den Straßburger Platz. „Dulsbox - 30 m² für deine Ideen“ lautete die Aufforderung, die das HerbstLESE-Team einige Wochen vor Beginn des Festivals streute.

Geboren wurde die Idee eines „Raums für alle“ bereits auf dem Dulsberger Kulturratschlag im Mai 2017. Der Kulturhof sei für viele mögliche Events einfach zu groß, hieß es dort. Es bräuchte einen kleineren Raum. So entstand die Idee eines Containers, in der die StadtteilbewohnerInnen Angebote und Treffpunkte selbst entwickeln konnten.

Würden sich auch genügend Leute finden und was könnten sie spontan anbieten?
Einerseits meldeten sich KünstlerInnen, die Performances, Konzerte, einen Poetry Slam und Lesungen anbieten wollten. Andererseits gab es Ideen für Mitmach- oder Wellness-Angebote, wie z. B. Reiki, Gymnastik, Töpfern und ein Swahili-Schnupperkurs für Kinder. An mehreren Terminen wurden ein Repair-Café, ein Laptop-Café und eine Wunschwiesen-Werkstatt angeboten. Die Angebote wurden zum größten Teil von DulsbergerInnen gemacht, aber auch von anderen Hamburgern, die auf irgendeine Weise Dulsberg-begeistert waren. Viele Menschen lernten sich bei dem Projekt kennen und der Raum nahm immer mehr Gestalt an. Nach jeder Veranstaltung wurde er gemütlicher. Bilder, Deko, Tee und Kekse wurden immer mehr und hinterließen schließlich den Eindruck eines Wohnzimmers.

Wer würde die Dulsbox besuchen?
Viele der BesucherInnen und TeilnehmerInnen kamen über Mundpropaganda oder waren von den Künstlern und Anbietern eingeladen worden. Die Facebook-Seite der Dulsbox schellte in kurzer Zeit von 0 auf 125 Mitglieder. Aber auch dulsberg.de und nebenan.de leisteten gute Dienste. So fanden auch viele Menschen aus anderen Stadtteilen  den Weg nach Dulsberg und lernten den Stadtteil kennen. Es gab einige treue Fans der Dulsbox und der HerbstLESE, die auf fast jeder Veranstaltung zu sehen waren. Und natürlich gab es das Laufpublikum, das ein Veranstaltungsort auf einem zentralen Platz mit sich bringt. Als sich der November dem Ende neigte, wurden Rufe zur Verlängerung der Dulsbox laut. Es gab sogar Angebote der DulsbergerInnen, sich persönlich für den Erhalt der Box einzusetzen.

Das Experiment war gelungen!
Dass es über 30 Events werden würden, hätten wir als Organisatorinnen nicht gedacht, als wir in den Wochen vor der HerbstLESE mit der Werbung begannen. Besonders bemerkenswert an der Dulsbox und dieser HerbstLESE im Allgemeinen war, dass sie sehr international war und sich Menschen unterschiedlichster Herkunft begegneten und gemeinsam aktiv wurden. Für uns als Kulturschaffende im Stadtteil sind die Kontakte und die Energie, die dabei entstanden sind, von höchstem Wert. Denn die Dulsbox war keine Eintagsfliege, sondern ein Meilenstein in einem Prozess, bei dem es um die Beteiligung von AnwohnerInnen geht. Viele neue Kontakte werden auch in Zukunft für ein vielfältiges (Kultur-)Leben auf dem Dulsberg sorgen.

Wie geht es weiter?
Damit die tollen Ansätze und Energien nicht verpuffen, wird das Stadtteilbüro ein regelmäßiges Treffen anschieben, bei dem sich Interessierte austauschen und Projekte und Angebote auf die Beine stellen können. Das Treffen wird voraussichtlich dienstags oder donnerstags zwischen 17.00 und 19.00 Uhr im Stadtteilbüro Dulsberg (Probsteier Str. 15) stattfinden. Wer teilnehmen möchte, schreibe eine Mail an kultur@dulsberg.de oder rufe unter 040 652 80 16 an.

Weitere Fotos der HerbstLESE sind hier zu finden.

Backstein Archiv: www.backstein-online.de

Autorinnen: Ulrike Ritter und Rosemarie Schaffer





Rückblick 2015

Unter der Federführung des Stadtteilbüros Dulsberg präsentierten diverse Veranstalter vom 31. Oktober bis 15. November 2015 im Rahmen der Dulsberger HerbstLESE über 35 Veranstaltungen, Workshops und Projekte an 24 verschiedenen Orten im Stadtteil. Im Mittelpunkt des 10. literarischen und interkulturellen Stadtteilfestivals stand die Begegnung und das Zusammenwirken von Menschen verschiedener Kulturen sowie die Leseförderung aller Altersgruppen. Für das Festival wurden neue Örtlichkeiten für Kulturangebote in Dulsberg aufgespürt und zugänglich gemacht.

 

Eröffnet wurde die HerbstLESE am 31. Oktober mit dem „Kulturmosaik“ auf dem Straßburger Platz, einem kulturellen Stadtteilrundgang mit Literatur und Musik an ungewöhnlichen Orten. Prominente, wie der Ritter Rost-Autor Jörg Hilbert und der Schauspieler Erik Schäffler, bereicherten das Programm mit Lesungen für Kinder. Auch ein Mitmachtheater, Kamishibai über ein armenisches Märchen und „Elmar, der bunte Elefant“ sorgten für abwechslungsreiches Programm für die Kleinen. Für Erwachsene gab es Lesungen, Ausstellungen, eine Theaterführung und jede Menge Live-Musik sowie ein großes HerbstLESE-Fest am 7. November mit Buchpräsentation, Auftritt des Chores „Miss Klang“, Disko und internationalen Spezialitäten.

 

Zahlreiche Mitmachangebote haben zur Beteiligung eingeladen: Für das Rezeptbuch „Dulsberger Backlust“ wurden internationale Rezepte und Geschichten aus dem Stadtteil gesammelt. Grundschulkinder aus Dulsberg haben in einem Wettbewerb zum Thema „Kleiner Werwolf“ gemalt oder geschrieben und mit Kinderbuchautoren gebastelt. Jugendliche lernten in Workshops Kita-Kindern auf deutsch und in ihren Muttersprachen vorzulesen. Beim „Nähen für Flüchtlinge“ konnten alle Interessierten gemeinsam Patchworkdecken und Krabbeldecken nähen.

 

Insgesamt haben über 3.800 Personen an der 10. Dulsberger HerbstLESE teilgenommen.

 

+++ Das Projekt hat den "Kulturpreis 2015 der Bezirksversammlung Hamburg-Nord" gewonnen! +++